Hundetipps für ein starkes Immunsystem. Wie kann ich das Immunsystem meines Hundes unterstützen, aufbauen oder stärken?

„Ein gutes Immunsystem ist der beste Schutz vor Krankheiten“ – davon liest man besonders im Herbst und Winter immer wieder.

Tagtäglich kommt der Hund mit Keimen wie Bakterien und Viren in Kontakt. Meistens merken wir noch nicht einmal etwas davon, dank des Immunsystems. Denn die körpereigene Abwehr  registriert eindringende Keime und bekämpft sie. Dementsprechend groß ist das Interesse, seinen Hund bei oder nach überstandener Erkrankung, wie Husten, Hals- und Ohrenentzündungen, Durchfall, Schniefnase, Hautveränderungen und Giardien zu unterstützen oder zu stärken, weil der Hund sich immer wieder etwas einfängt.


Angeboten wird für Hunde so einiges, aber nicht alles ist auch sinnvoll. Propolis, Hagebuttenschalen, Kräutermischungen, Heilpilze, Kolostrum, Probiotika, Spirulina, Cistus, Katzenkralle, Kollodiales Silber, Echinacea, Apfelessig, Goldene Paste oder Tomatenmark sind nur einige Beispiele der weiten Welt der Gesundheitspräparate.

Bevor man sich jedoch eines oder gleich mehrere dieser Präparate für seinen Hund kauft, sollte man zunächst abklären, was das Immunsystem beeinflusst. Denn viele Faktoren belasten die körpereigene Abwehr und schwächen sie dadurch. Vier wichtige Faktoren stellen wir hier vor:

1. Ruhezeiten und Schlaf: Ein ausgeschlafener Hund ist ein gesunder Hund. 
17-21 Stunden Ruhe benötigt ein Hund pro Tag, um verdauen, verwerten, regenerieren und auch lernen zu können. Zur Ruhe zu kommen und „abschalten“ zu lernen, ist eines der wichtigsten Dinge die der Welpe bzw. Junghund lernen darf. Ist die Nachtruhe gestört, durch Schmatzen, Gras fressen, Übelkeit, Bauchschmerzen, unbewältigte Ereignisse des Vortages, schwächen die fehlenden Ruhezeiten das Immunsystem immens. Möchte der Hund den ganzen Tag spielen, Frauchen durch das Haus begleiten und in der Hundebetreuung mit den anderen Hunden toben, wirkt sich das ebenfalls nachteilig auf die Körperabwehr aus.
2. Ernährung: Nährstoffe für eine starke Abwehr.
Eine gesunde und ausgewogene Ernährung hat Einfluss auf unser gesamtes Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Körpers. So komplex die Aufgaben des Immunsystems sind, so sehr ist es auf eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen angewiesen. Einzelne Zellen des Immunsystems müssen ständig „nachproduziert“ werden. Es müssen daher alle benötigten Substanzen, die der Körper nicht selbst herstellen kann, täglich in ausreichender Menge durch die Nahrung aufgenommen werden,um diese Funktionen ausüben zu können. Die fettlöslichen Vitamine A, D, E, die wasserlöslichen B-Vitamine und die Spurenelemente Zink, Selen und Mangan seien hier beispielhaft genannt. Mit diesen können wir unseren Hund nicht über Obst und Gemüse versorgen, sondern über Innereien wie beispielsweise Leber. Aber auch hier gilt: Viel hilft nicht viel. Denn die fettlöslichen Vitamine und Spurenelemente können wir auch überdosieren. 

WAU!
Hagebuttenschalen werden gerne verabreicht, weil sie viel Vitamin C enthalten. Dieses kann der Hund, im Gegensatz zum Mensch, aber selbst herstellen. Sie sind aber nicht nur reich an Vitamin C. Wusstest ihr, dass Hagebuttenschalen sehr viel Kupfer enthalten? Ganze 4.091µg/100g. Führen wir dem Körper zu viel Kupfer zu, kann sich dies in folgenden Symptomen zeigen:
Entstehung freier Radikale, welche Zellschädigungen verursachen können
Emotionale Labilität, Nervosität
Entzündliche Prozesse in Darm, Gelenken, Atemwegen usw.
Epilepsie, Hyperaktivität
Leberstörungen
Müdigkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen
Zinkmangel

Denn Kupfer ist ein Gegenspieler von Zink. Es vermindert die Aufnahme von Zink und erhöht die Zink-Ausscheidung über die Nieren. Für die Gesundheit ist Zink aber unverzichtbar, denn die Abwehrfunktion unseres Körpers ist maßgeblich vom Zinkhaushalt abhängig. Das gilt auch für Hunde.
Die Abwehrzellen des Körpers benötigen Zink, das Spurenelement besitzt außerdem eine antivirale Wirkung und verbessert gleichzeitig die Schleimhautstruktur, sodass das Anheften und Eindringen von Viren erschwert wird. Daher rührt auch seine Fähigkeit beim Menschen, die Dauer von Erkältungen zu verkürzen. Außerdem wirkt Zink antioxidativ, also freien Radikalen entgegen, es unterstützt zudem die Wundheilung, reguliert die Schilddrüsen- und Sexualhormone und spielt eine wesentliche Rolle bei der Gehirnfunktion und psychischen Stabilität. Ein wahrer Nährstoff-Allrounder also, den man nicht durch übermäßige Kupferaufnahme behindern sollte.
3. Stress: Wie Stress das Immunsystem steuert.
Sowohl vorübergehender akuter Stress als auch lang andauernde Belastungen verändern die Arbeit des Immunsystems. Verminderte Ruhezeiten, Jahreszeitenwechsel, läufige Hündin in der Nachbarschaft, Streit in der Familie, Krankheit, Entzündungsprozesse, Umgebungswechsel (Urlaub), Kälte, Hitze, Futterumstellung, Dauerbeschäftigung, Dauerfütterung mit Leckerchen, Überflutung mit Umweltreizen, unklare Beziehungsstrukturen… die Liste der Stressoren für den Hund ist lang. Es werden alle Stresshormon­systeme aktiviert und die inneren Organe reagieren mit erhöhter Alarmbereitschaft. Dazu gehört die Reaktion des Herz-Kreislaufsystems, mit erhöhtem Blutdruck, beschleunigter Herztätigkeit, erhöhtem Zellstoffwechsel und Durchblutung von Gehirn, Sinnes­organen und Muskulatur. Akuter Stress kurbelt das Immunsystem kurzzeitig an, dauerhafter Stress schwächt es hingegen stark: Die Anfälligkeit für Erkrankungen steigt. Psychosoziale und psychische Faktoren verändern das Nerven-, Hormon- und Immunsystem und haben damit entscheidenden Einfluss auf Gesundheit und Krankheit. Daneben kann auch die Ernährung den Stress beeinflussen. Sie kann ihn im negativen Fall auslösen oder verstärken, sie kann ihn im besten Fall aber auch hemmen. Psyche, Ernährung, Nervensystem und die Immunabwehr beeinflussen sich gegenseitig.
Tipp: Gönnt Euren Hunden doch ruhig einmal zwei "Sonntage" in der Woche, an denen sie einfach nur schlafen, kuscheln und essen dürfen. Herrlich, wer von uns genießt so einen gemütlichen Sonntag nicht?!
4. Darm: Eine starke Abwehr beginnt im Darm.
Darm und Immunsystem stehen in enger Verbindung miteinander. Ist der Darm geschwächt, verliert das gesamte Immunsystem an Stärke. Und umgekehrt kann es bei einer Abwehrschwäche zu Störungen im Magen-Darm-Trakt kommen. In der Darmschleimhaut finden sich mehr als 70 Prozent der körpereigenen Immunzellen. Etwa 90 Prozent aller Antikörper werden hier gebildet. Die „guten“ Bakterien sind wichtige Partner des Immunsys­tems. Funfact: Wir Menschen tragen etwa 2-3 Kilogramm dieser nützlichen Darmbewohner mit uns herum. Neben der Immunmodulation ist es eine wichtige Aufgabe der Darmmikrobiotika, Vitamine und kurzkettige Fettsäuren zu produzieren, die Nährstoffverwertung zu erhöhen, körpereigene und körperfremde Schadstoffe abzubauen, die Darmschleimhaut aufzubauen und den Darm vor krankheitserregenden Viren, Bakterien, Pilzen oder Parasiten zu schützen. Und auch bis zu 90 Prozent unseres Wohlfühlbotenstoffs Serotonin werden im Darm synthetisiert und gelagert. All diese Aufgaben können jedoch nur bewältigt werden, wenn die Darmbesiedelung ausgewogen ist. Psyche, Ernährung, Nervensystem und Immunabwehr beeinflussen sich auch hier gegenseitig.

Wie finde ich das richtige Präparat für meinen Hund?

Wenn eine gesunde Balance von Stress und Entspannung, eine ausgewogene Ernährung und Darmgesundheit gegeben sind, kann man sich bei seinem Tierarzt, Tierheilpraktiker oder Ernährungsberater über ein geeignetes Präparat beraten lassen, dass das „Immunsystem“ des Hundes unterstützt. Jeder Hund ist individuell und so individuell sollte auch das Präparat ausgewählt werden. Das Präparat, welches den einen Halter bei Facebook in Lobeshymnen ausbrechen lässt, muss nicht für den eigenen Hund passen. Wie schon am Beispiel der Hagebuttenschalen erläutert, ist es nicht so, dass die „Natur“ immer unbedenklich und teils inflationär mit 3+ Präparaten täglich seinen Weg in den Napf finden muss. Insbesondere Kräutermischungen enthalten häufig Heilkräuter, die ebenso wie Heilpilze keinesfalls ohne fundierte Diagnose und exakte Berechnung verabreicht werden sollten.

Eine abgesicherte Diagnose ist unerlässlich, um den Gesundheitsstatus eines Hundes abzuklären und somit zu entscheiden, ob, und wenn, was für ein Präparat eine für den Hund wertvolle Unterstützung darstellt. Denn nicht immer ist es, wie es scheint. Um zwei Beispiele zu nennen: Der Hund mit der Schniefnase hatte eigentlich eine Zahnwurzelentzündung. Jeder kann sich sicherlich vorstellen, wie schmerzhaft diese für den Hund war und dass hier weder mit Propolis noch mit Kräutermischungen geholfen wäre. Der Hund, der „sich immer wieder etwas einfing“, hatte Giardien und eine beginnende Bauchspeicheldrüsenentzündung. Auch hier wäre dem Hund mit keinem der eingangs genannten Präparate geholfen gewesen.

Ein umfassendes großes Blutbild gibt Hinweise auf den Organstatus, das Immunsystem und womit es gerade beschäftigt ist (Bakterien, Pilze, Viren, Parasiten, Autoimmungeschehen). Eine umfassende große Kotuntersuchung dient der weiteren Abklärung auf erwünschte oder unerwünschte Darmbewohner. Dabei gilt: ein Befund ist immer nur so gut wie derjenige, der ihn durchführt. Ich berate Euch gerne hinsichtlich geeigneter Labore.

Fazit: Das Immunsystem zu stärken, bedeutet, den Hund als Individuum zu begreifen, sowohl mit seinen individuellen Nährstoffbedürfnissen und rassenspezifischen Veranlagungen als auch in Wechselwirkung und Beziehung zu seinem Halter und seinem Lebensumfeld. 

Checkliste für ein starkes Immunsystem:

  • ausgewogene Ernährung
  • regelmäßige Bewegung
  • gesunde Balance von Stress und Entspannung
  • genügend Schlaf und Ruhe
  • ausreichende Wasseraufnahme
  • regelmäßige Gesundheitschecks

Ich wünsche Euch und Euren Hunden eine gesunde und fröhliche Herbst- Winterzeit.
Eure Caroline