Futterzusätze für Hunde: sinnvoll oder schädlich? Von Kräutern zur Entwurmung, bei Durchfall und HD, Bierhefe für glänzendes Fell oder BARF- und Futterzusätzen für Welpen und Senioren...

Immer dann, wenn ein Thema besonders im Trend liegt - wie die gesunde Ernährung bei Hund & Mensch -, ist die Flut an Informationen kaum noch zu überblicken. Nahezu jede Woche erscheinen im Internet und in Magazinen neue Publikationen, die „das“ eine Superfood oder das ultimative natürliche Heilmittel anpreisen. In der einen Woche ist Kokosöl das Allheilmittel gegen trockenes Fell, Zecken und Würmer, in der nächsten Woche ist Kokosöl das reine Gift. 

Hinzu kommt die Verunsicherung bei den unterschiedlichen Ernährungskonzepten und Fütterungsarten. Barf-Rationen, die bereits auf den ersten Blick artgerecht und ansprechend wirken, weisen in wissenschaftlichen Studien deutliche Nährstoffmängel auf. Trocken- und Nassfutter, die sich als vermeintlich krebsfördernder Chemiecocktail entpuppen oder wegen einer gesundheitsbedenklichen Überdosierung an Vitaminen in die Medien geraten.

Doch gegen die Verunsicherung bei der täglichen Hundefütterung ist ein Kraut gewachsen: Nahrungsergänzungsmittel, Mineralstoff- und Kräutermischungen, verpackt in fröhlich-bunten oder medizinisch anmutenden Dosen und vollgepackt mit vollmundigen Versprechungen.

 

 

Grundsätzlich gilt: Vorbeugen ist besser als behandeln!

Eine gesunde Ernährung trägt entscheidend zur Erhaltung oder Verbesserung der allgemeinen Gesundheit bei. Sie ist eine der wichtigsten Säulen für die körperliche und geistige Gesundheit bei Hund und Mensch. Mit dem Ziel der Prävention kann die Gesundheit durch eine bedarfsorientierte Ernährung erhalten oder sekundär im Falle einer Krankheit wiederhergestellt werden.

Natürlich möchte jeder Hundehalter möglichst lange einen gesunden und vitalen Hund an seiner Seite. Der Griff zum Futterzusatz ist ein Leichtes, um Luna, Max oder Mimmi vor einer möglichen Gelenkserkrankung zu schützen oder „mit allem zu versorgen, was der Hund braucht“.

 

Wichtig ist, dass dem Hund täglich die richtige Menge an allen Nährstoffen zugeführt wird. Besteht bereits eine ausgewogene Ration und wird diese dann zusätzlich mit speziellen Zufütterungen ergänzt, kann es zu einem Ungleichgewicht in der Versorgung kommen. Eine Überversorgung ist in den allermeisten Fällen genauso schadhaft wie eine Unterversorgung. Die Grundlage einer gesunden Ernährung bildet in jedem Fall die Qualität der zugeführten Rohstoffe. Wenn der Hund minderwertige Schlachtabfälle erhält, kann auch die Nahrungsergänzung diese mindere Qualität nicht verbessern.

 

Futterzusätze: unverzichtbar für Welpen, Senioren und bei Krankheit?

Der Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren oder Fettsäuren kann bei Welpen, Junghunden, Senioren oder bei spezifischen Krankheiten erhöht sein. Nahrungsergänzungsmittel sind Produkte, die mit Nähr- oder Wirkstoffen angereichert sind und dem erhöhten Bedarf des Stoffwechsels in bestimmten Belastungssituationen dienen. Diese Belastungssituationen sind immer individuell zu betrachten und setzen bei Krankheiten wie Haut- und Fellstörungen, Schmerzen des Bewegungsapparates, Magen-Darmerkrankungen und Nieren- oder Herzerkrankungen immer die gesicherte Diagnose eines Tierarztes voraus. Keineswegs sollten Kräutermischungen, Vitamin- oder Mineralstoffmischungen ohne exakte Berechnung und dauerhaft verabreicht werden.

 

Häufig werden Nahrungsergänzungsmittel von Herstellern als Rundum-Sorglos-Pakete für verschiedene Lebensphasen oder Ernährungskonzepte angepriesen. Mit nur einem Produkt werden scheinbar alle nötigen Nährstoffe und noch dazu in der richtigen Menge aufgenommen. Kann das funktionieren? 
 

Dazu ein Beispiel aus der Praxis: CD Vet Micromineral für Hunde & Katzen
Produktinformation des Herstellers:MicroMineral enthält 100% rein natürliche Zutaten wie Algen, Algenkalk, Traubenkernextrakt und Bierhefe. Durch ihren pflanzlichen Ursprung werden die Entgiftungsorgane nicht weiter belastet. Insbesondere bei der Fütterung von Fertigfutter entsteht schnell eine Mangelsituation, weil durch die industrielle und thermische Verarbeitung viele Stoffe beschädigt, verändert bzw. zerstört werden. Als Zusatz zur Trockennahrung, Dosenfleisch und auch bei der Frischfleischfütterung, zur natürlichen Mineralisierung und Vitaminabsicherung.“

Zusammensetzung: Algenkalk, Bierhefe, Malzkeime, Seealgenmehl, Traubenkerne extrahiert.
Sehen wir uns dieses Produkt einmal näher an. Als Erstes würde mich ein Produkt stutzig machen, das eine optimale Nährstoffversorgung für Hunde und Katzen gleichermaßen verspricht. Nur, weil beide Tierarten vier Pfoten, einen Schwanz und zwei Ohren besitzen, heißt das nicht, dass es nicht gravierende Unterschiede im Stoffwechsel und Nährstoffbedarf gibt! Zum Zweiten ist nicht angegeben, von welchem Inhaltsstoff wieviel enthalten ist. Für jeden Halter ist es aber eine wesentliche Information, ob 95% oder 5% Algenkalk enthalten sind. Sehen wir uns die Inhaltsstoffe einmal näher an:

I. Algenkalk besteht zu 70-80% aus Calciumcarbonat. Dieses neutralisiert die Magensäure so, dass die Nahrung im Magen nicht oder nur unzureichend vorverdaut wird, krankmachende Keime nicht abgetötet werden können und dazu noch die Gasbildung im Magen begünstigt. Die Folgen: Sodbrennen, keine Bildung des intrinsic factors (Vorstufe von B12), unvollständige Eiweiß- und Fettvorverdauung, verminderte Aufnahmefähigkeit von Vitaminen und Mineralstoffen, verlangsamte oder unvollständige Zersetzung der Nahrung, Fehlgärungen, h
ormonelle Störungen, Sodbrennen, Erbrechen, Magenschleimhautentzündung (mehr dazu hier: https://www.gesundeshundeleben.de/blog/calcium-knochen/).
II. Bierhefe&Malzkeime: Was passiert, wenn man Hefe und Malzkeime (13% Zucker) mischt, weiß jeder, der schon einmal einen Hefeteig angesetzt hat. Es gärt und gast. Diese Gärungsgase erzeugen Blähungen und Bauchschmerzen. Über die Hefe- und Zuckermahlzeit freuen sich Hefepilze, die Haut und Darm besiedeln. Die Folgen können Juckreiz, Ohrentzündungen, Fell- und Hautstörungen sein.
III. Seealgenmehl: Dieses enthält sehr viel Jod, das zu einem hohen Prozentsatz über den Darm aufgenommen und für den Einbau der Schilddrüsenhormone verwendet wird. Der Jodbedarf hängt von der Stoffwechselaktivität ab und es bestehen große Unterschiede zwischen Individuen, Geschlechtern und Rassen. Beeinflusst werden durch das Jod die Schilddrüsenhormone und hierüber der gesamte (Zell)-Stoffwechsel, das Nervensystem, Sexualhormone, Herztätigkeit und vieles mehr. Sowohl eine Über- als auch eine Unterversorgung kann zu Schilddrüsenproblemen führen und zeigt sich beispielsweise in Gewichtsproblemen, Verhaltensänderungen, Fellproblemen, Herz-Kreislauf-Symptomen, Verdauungsstörungen etc. Daher ist es besonders wichtig, dass beim Einsatz von Seealgen auf die Dosierung geachtet wird und nur Seealgen mit kontrolliert konstantem Jodgehalt verwendet werden, da dieser stark schwanken kann. Es kann hier keine pauschale Dosierung - wie vom Hersteller angegeben - eingesetzt werden!
IV. Traubenkerne: Bei Hunden treten Intoxikationen mit resultierender Nierenerkrankung durch die Aufnahme von Weintrauben, Weintraubenschalen, Trestern, Trockenfrüchten oder Traubenkernen auf. Fallberichte liegen aus den USA, dem Vereinigten Königreich, Australien, Korea und Deutschland vor. Häufigste Symptome einer solchen Intoxikation: Erbrechen, Durchfall, vermindertes Allgemeinbefinden und akute Nierenerkrankung sowie eine erhöhte Wasseraufnahme, erhöhter Harnabsatz und verminderte Harnausscheidung. Dass der Hersteller damit wirbt, dass bei diesem Produkt „die Entgiftungsorgane (zu denen die Nieren gehören) durch den pflanzlichen Ursprung nicht weiter belastet werden“ ist demnach schlichtweg falsch und die Gabe kann bei einem Hund zu irreversiblen Schäden führen.


Fazit: Nahrungsergänzungs-Kombiprodukte sind kein Rundum-Sorglos-Paket oder gar Allheilmittel, weil sie nicht auf den unterschiedlichen Bedarf von Hunden in verschiedenen Lebensphasen und Gesundheitszuständen angepasst sind. Durch die Verwendung von ungeeigneten Zusätzen können diese Präparate sogar mehr Schaden anrichten als nützen.

 

„Es ist pflanzlich, also kann es dem Körper nicht schaden!“

Exkurs Ernährungsmythos:

Immer wieder kommt es vor, dass ich im Rahmen meiner Arbeit mit folgendem Satz konfrontiert werde, wenn es um pflanzliche Nahrungsergänzungen und Kräuter geht: „Es ist pflanzlich, also kann es dem Körper nicht schaden!“

Stimmt das überhaupt?

 

Die Betrachtung von Traubenkernen, Algenkalk oder Seealgenmehl hat aufgezeigt, dass diese Aussage so nicht ganz richtig ist. Pflanzen sind deshalb wirksam, weil sie Wirkstoffe enthalten. Die lassen sich, wie synthetische Stoffe auch, überdosieren und können so zu unerwünschten bis hochgiftigen Wirkungen führen. Was vermutlich damit gemeint ist, ist, dass der Halter eine Substanz, wie sie in der Natur vorkommt, einer synthetisch hergestellten Substanz vorzieht. Aber: Ob synthetisch oder natürlich, bitte achtet darauf, dass eine Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen ist und somit auch, welche Nebenwirkungen zu erwarten sind!  

Auch bei pflanzlichen Präparaten muss das Nutzen-Risiko-Verhältnis abgewägt werden. Die Risiken sind bei standardisierten Mitteln wie dem Brennnesselkraut noch berechenbar und einschätzbar. Unübersichtlich wird es allerdings bei Algen- und Kräutermischungen, die bspw. aus China kommen. Diese können verunreinigt und mit Schwermetallen, Pestiziden oder Bakterien belastet sein.
Weitere Risiken und Nebenwirkungen: Hunde verstoffwechseln manche Substanzen anders als wir Menschen. Bekannt ist hier sicher der Birkenzucker „Xylit“, der sich auch in Globuli finden kann und zu schweren Leberschäden führt (Mehr dazu hier:
https://tierhomoeopathie-nord.de/xylit-homoeopathie-hund und hier: https://www.vetpharm.uzh.ch/reloader.htm?clinitox/toxdb/KLT_086.htm?clinitox/klt/toxiklt.htm).

 

Vitamin C für ein starkes Immunsystem?

Ein weiteres Beispiel für den Unterschied zwischen Mensch und Hund ist der Einsatz von Vitamin C, das sich „für ein starkes Immunsystem“ in Form von Hagebuttenschalen in vielen Nahrungsergänzungspräparaten für Hunde findet. Die beim Menschen häufig empfohlene Wirkung von Vitamin C für das Immunsystem konnte lediglich bei der Ratte wissenschaftlich geringfügig belegt werden. Bei Untersuchungen an den anderen Tierarten gelang es nicht, diese Aussage zu belegen. Somit besteht keine Grundlage dafür, Katzen, Hunden oder Pferden zur Optimierung des Immunsystems zusätzlich Vitamin C zuzuführen.

Aber es wird doch nicht schaden“, denkt sich vielleicht der ein oder andere. Der Hund kann, im Gegensatz zum Menschen, Ascorbinsäure (Vitamin C) selbst herstellen. Füttern wir nun Vitamin C zu, wird das sensible Gleichgewicht der Eigensynthese empfindlich gestört und kann bei dauerhafter Anwendung Auswirkungen wie Leber- und Nierenschäden zur Folge haben. Und noch ein weiterer Aspekt muss bei Hagebuttenschalen betrachtet werden: Sie enthalten hohe Kupfermengen (ganze 4.091µg/100g). Führen wir dem Hund zu viel Kupfer zu, kann sich dies in folgenden Symptomen zeigen: Entstehung freier Radikale, welche Zellschädigungen verursachen können, emotionaler Labilität und Nervosität, entzündlichen Prozesse in Darm, Gelenken, Atemwegen usw., Epilepsie und Hyperaktivität, Leberstörungen, Müdigkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen sowie einem ernährungsbedingten Zinkmangel (Mehr dazu hier: https://www.gesundeshundeleben.de/blog/hundetipps-fuer-ein-starkes-immunsystem).

 

Nahrungsergänzungen, Kräuter und Futterzusätze: sinnvoll oder nicht?

Sind Futterzusätze nun sinnvoll oder gar notwendig? Das hängt von dem Gesundheitsstatus, dem Alter, der Rasse, dem Lebensumfeld und der täglichen Fütterungsration des Hundes ab.

Omega-3-Fettsäuren (DHA/EPA), Zink und B-Vitamine sind essenziell notwendig für Fell, Nerven und auch für das Immunsystem. Finden sich diese in der Nahrungsration nicht, müssen sie ergänzend zugeführt werden. Bei der Rohfütterung würde dies über Fischöle (mind. 3-4x pro Woche), Nüsse (wie Cashewkerne und Sonnenblumenkerne) und Eigelb gewährleistet werden. Glukosamin, Chondroitin, Kollagen und Hyaluron können bei Erkrankungen des Bewegungsapparates günstig sein. Jedoch ersetzen sie keine Physiotherapie und im fortgeschrittenen Stadium auch keine Schmerztherapie oder Operation. Bevor hier Supplemente für die Unterstützung des Bewegungsapparates ausgewählt werden, sollte zunächst die tagtägliche Ration auf eine bedarfsorientierte Versorgung mit allen Nährstoffen, die für den Bewegungsapparat notwendig sind, überprüft werden. Auch können Huminsäuren bei Durchfall unterstützen, da sie antibakteriell, viruzid und entzündungshemmend wirken, die Nervenendigungen in den Schleimhäuten von Magen und Darm beruhigen und die gefährliche Austrocknung durchlässiger Schleimhäute hemmen. Sie können als Erste-Hilfe-Mittel bei verändertem Kotabsatz eingesetzt werden, ersetzen aber keine fundierte Diagnose in Form einer parasitologischen und mikrobiologischen Kotuntersuchung.

 

Grundsätzlich sind Nahrungsergänzungsmittel oder Futterzusätze aus dem Handel für einen gesunden Hund, der bedarfsorientiert mit allen essenziellen Nährstoffen versorgt wird, nicht notwendig. Denn über die tagtägliche Nahrung bekommt er alle Nährstoffe, die er für den Erhalt und Aufbau von Körpergewebe braucht. Die Grundlage einer gesunden Ernährung bildet hier immer die Qualität der Rohstoffe. Besteht bereits eine ausgewogene Ration und wird diese dann zusätzlich mit speziellen Futterzusätzen ergänzt, kann es zu einem Ungleichgewicht in der Versorgung kommen. In bestimmten Situationen, bei bestimmten Erkrankungen oder für den Hund belastenden Lebenssituationen entsteht ein Mehrbedarf an einzelnen oder mehreren Nährstoffen. Hier kann ein Nahrungsergänzungspräparat die Gesundheit verbessern, die Lebensqualität erhöhen oder starke Medikamente reduzieren. Dies setzt in jedem Fall die gesicherte Diagnose eines Tierarztes, Hundetrainers oder Ernährungsberaters voraus.
 

Zusammengefasst:

Für gesunde Hunde, die ausgewogen ernährt werden, sind Futterzusätze grundsätzlich nicht nötig. Es kann aber je nach Lebensphase, bei Krankheit oder in belastenden Situationen sinnvoll sein, den erhöhten Nährstoffbedarf des Hundes individuell und kurweise zu unterstützen.

 

Dabei gilt: Pauschale Komplettpräparate sind zu meiden, weil sie
· den individuellen Gesundheitsstatus des Hundes nicht berücksichtigen
· zu Nährstoffüberdosierungen führen können
· kontraproduktive oder schädliche Inhaltsstoffe enthalten können
· von minderwertiger Qualität oder verunreinigt sein können.

 

Sinnvolles Vorgehen, wenn ihr bei eurem Hund über einen Futterzusatz oder ein Nahrungsergänzungspräparat nachdenkt:

CHECKLISTE:
1. Liste der Symptome und Auffälligkeiten erstellen
2. Rationsüberprüfung durch Ernährungsberater oder Fachtierarzt für Diätetik
2. Gesundheits-Check (Blutbild, Kotuntersuchung)
3. Futteranpassung und/oder Nahrungsergänzungspräparat (kurweise)

 

Bleibt gesund!
Eure Caroline

 

 

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