Calciumbedarf und Knochen. Gesundheitliche Risiken von Eierschalenmehl und Algenkalk.

Calcium ist für Menschen wie Hunde ein (lebens)wichtiger Mineralstoff. Bekannt ist seine Bedeutung für gesunde Knochen und Zähne. Aber auch der Rest des Körpers kommt nicht ohne Calcium aus: Bei der Erregung der Muskeln und Nerven wird es ebenso gebraucht, wie bei der Zellteilung, der Blutgerinnung und der Aktivierung einiger Enyzme und Hormone. 

(K)Eine Wissenschaft: Calciumbedarf beim Hund.

Calcium befindet sich im Körper zu 90% in den Knochen und den Zähnen in einer Verbindung mit Phosphor. Durch die wechselnden Verbindungen mit anderen Elementen ändert sich der Name: z.B. Calciumcitrat, Calciumsulfat oder eben auch Calciumphosphat.

Der Bedarf von Calcium als auch von Phosphor ändert sich je nach Alter, Aktivität, Fütterung und Lebensumständen. Das ist übrigens nicht nur bei Hunden, sondern auch beim Menschen so. Nicht alles Calcium wird resorbiert. Stattdessen wird – angepasst an den tatsächlichen Bedarf - ein größerer oder eben kleinerer Teil direkt wieder ausgeschieden. Dafür sorgt ein gesteuerter Kreislauf des Calciums an dem unterschiedliche Teile des Körpers beteiligt sind. Der Magen-Darmtrakt dient der Aufnahme und der Ausscheidung, die Knochen dienen als Zwischenspeicher und die Nieren scheiden schon im Körper befindliches überschüssiges Calcium aus. 

Was fördert oder verhindert die Aufnahme von Calcium?

Damit Calcium überhaupt vom Körper aufgenommen werden kann, ist in erster Linie eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D3 und K2 notwendig (diese kommen z.B. in Leber und Eigelb vor). Der Name von Vitamin D3 „Cholecalciferol“ hat in sich, auf Latein, schon seine Aufgabe verschlüsselt:  calci = calcium. ferre = tragen. Während das Vitamin D3 als „Calciumträger“ für die Calciumaufnahme aus dem Darm sorgt, kümmert sich „K2“ um die Regulation des Calciumhaushaltes.

Sogenannte „Anti-Nährstoffe“ (der Name sagt es bereits) hemmen die Aufnahme von Calcium. Dies sind insbesondere Phytate und Oxalate, die Mineralstoffe wie Calcium binden und vom Körper nicht mehr aufgenommen werden können. Diese befinden sich in verschiedenen Nahrungsmitteln. Hier eine kleine Übersicht:

Phytate:

Oxalate:

  • Getreide
  • Soja
  • Mais
  • Quinoa
  • Bohnen
  • Erdnüsse
  • Rhabarber
  • Spinat
  • Sauerampfer
  • Amaranth
  • Weizenkleie
  • Rote Beete

Daher haben Hunde, die mit getreidehaltigem Futter gefüttert werden, auch einen höheren Calciumbedarf.

Futtermittel für den Calciumbedarf: Rohe Knochen.

Zunächst der Steckbrief: Knochen bestehen zu etwa 50 Prozent aus Mineralien, zu 25 Prozent aus Wasser und zu weiteren 25 Prozent aus organischer Substanz. Auf die Mineralien wollen wir mal einen genaueren Blick werfen: Denn sie bestehen zu einem großen Teil aus Calciumverbindungen. Mit 85 Prozent am stärksten vertreten ist Calciumphosphat und mit bis zu 10% Calciumcarbonat (der Anteil steigt mit zunehmendem Alter der Knochen an, bis er ungefähr 10 Prozent erreicht). Außerdem sind weitere essenzielle Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten, wie: Natrium, Magnesium, Kalium, Zink, Eisen, Kupfer und Mangan. Die 25 Prozent organische Substanz besteht größtenteils aus Kollagen, Proteinen und Fetten – das sorgt für Elastizität.

Klingt gut, denkt sich der Hundekenner, und schmeißt seinem Liebling ein Rinderskelett vor die Pfoten. Bitte nicht! Knochen ist nicht gleich Knochen. Tragende Knochen größerer Tiere und Knochen älterer Tiere eignen sich nicht für die Fütterung. Besser sind rohe, fleischige Knochen von jüngeren Tieren (diese sind elastischer und splittern deshalb nicht). Dazu gehören:

Calcium und Knochen

Generell gilt, dass Knochen immer roh verfüttert werden sollen: Denn durch den Kochprozess werden sie spröde und der Hund kann sich durch die scharfen Splitter verletzten. Bei kleineren Hunden oder Hunden, die Probleme beim Kauen haben, können die rohen Knochen gewolft oder in kleineren Stücken gefüttert werden.

Barf ohne Knochen? Eierschalenmehl und Algenkalk.

Was aber tun, wenn der Hund Knochen nicht verträgt oder der Hundehalter sich Sorgen bei der Knochenfütterung macht? Woraus soll der Hund dann seinen Calciumbedarf decken? Hundebesitzer greifen bei der Zufütterung von Calcium oftmals auf Eierschalenmehl oder Algenkalk zurück, die sie dann unter die täglichen Futterrationen mischen. Auf diese beiden Stoffe möchte ich hier genauer eingehen. Sehen wir uns die beiden Zusätze einmal näher an, stellen wir fest, dass sie zu einem sehr großen Teil aus Calciumcarbonat bestehen. Eierschale besteht zu ganzen 97 Prozent daraus. Algenkalk immerhin noch zu 70 bis 80 Prozent. Knochen jedoch nur aus bis zu 10 Prozent. Und das hat einen guten Grund. 

Was genau ist Calciumcarbonat?

Jetzt wird es kurz wissenschaftlich: Calciumcarbonat ist ein weißer Feststoff, der in Salzsäure im Magensaft löslich ist und dabei Gase entwickelt (genauer: Kohlendioxid). Die chemische Reaktion ist ungefähr folgende: Sobald die Salzsäure im Magensaft mit Calciumcarbonat reagiert entsteht ein Salz (Calciumchlorid), Wasser und CO2, welches die Gase sind. 

Besondere Aufmerksamkeit bekam Calciumcarbonat lange Zeit in der Humanmedizin: Denn hier wurde es unter anderem als Arzneimittel zur Neutralisierung der Magensäure (Antazidum) eingesetzt. Inzwischen ist seine Verwendung aber deutlich zurückgegangen, was vor allem daran liegt, dass es durch die Kohlendioxidentwicklung zu gesteigerter Gasbildung im Magen führt. Das macht auch Hunden Verdauungsprobleme. Der Biologe Rainer Töllner und der Diplom-Ökologe Manfred Heßel schreiben dazu:

„Solche Hunde schmatzen und leiden nach einiger Zeit an saurem Aufstoßen. Im Magen reagiert das Calciumcarbonat mit Salzsäure, dabei entsteht Calciumchlorid und CO2 - Gase (Rülpsen). Da die Salzsäure bereits im Magen neutralisiert wird, was zeitweise positiv sein kann, denn der Körper wird entsäuert, führt das langfristig dazu, dass ständig mehr Salzsäure abgerufen und produziert wird. Es kommt zu einer anhaltenden Übersäuerung des Magens und einem gefährlichen Ungleichgewicht im Säure - Basen - Haushalt. Die Salzsäure steigt hoch bis ins Maul, die Hunde schmatzen. Folgen sind: Verätzung der Schleimhäute in der Speiseröhre und im Maul, Zerstörung der Zähne.“

Hinzu kommt, dass bei einem solchen Ungleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt der Körper vermehrt Mineralstoffe wie Calcium aus den Knochen mobilisiert, um eine Übersäuerung des Organismus zu vermeiden.

Gesundheitliche Risiken und Fazit:

Die Neutralisierung der Magensäure durch Calciumcarbonat bleibt für den Organismus nicht ohne Folgen: 

  • Bakterien und Keime werden nicht ausreichend abgetötet
  • keine Bildung des intrinsic factors (Vorstufe von B12)
  • unvollständige Eiweiß- und Fettvorverdauung
  • verminderte Aufnahmefähigkeit von Vitaminen und Mineralstoffen
  • verlangsamte oder unvollständige Zersetzung der Nahrung
  • Fehlgärungen
  • Hormonelle Störungen
  • Sodbrennen, Erbrechen
  • Magenschleimhautentzündung 

Eierschalenmehl und Algenkalk sind nicht als dauerhafter Knochenersatz geeignet, wenn man die Calciumversorgung seines Hundes sicherstellen will. Die Neutralisierung der Magensäure und die Gasbildung im Magen können langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Algenkalk liefert an einigen Stellen zu geringe, an anderen Stellen viel zu hohe Mengen an bestimmten Mineralien, die sonst natürlich in Knochen vorkommen.

Bei gesunden Hunden sollte der Calciumbedarf also über rohe fleischige Knochen gedeckt werden. Bei Kleinhunden oder Hunden mit Einschränkungen des Zahnapparates können die Knochen gewolft oder in kleineren Stücken gefüttert werden. Wichtig für die Produktion der Magensäure ist die gleichzeitige Gabe von Fleisch, da die Verdauung erst auf diesen Schlüsselreiz hin die Magensäure bereitstellt. Knochen sollten daher in Maßen roh zusammen mit Fleisch gefüttert werden. Je nach Verträglichkeit kann die wöchentliche Knochenration auf 3-7 Tage verteilt gefüttert werden. An die Fütterung von Knochen müssen Hunde langsam und schonend gewöhnt werden, zum Einstieg eigenen sich beispielsweise Hälse. 

Calciumversorgung bei Unverträglichkeit und Krankheiten.

Wenn der Hund Knochen nicht verträgt und davon erbrechen muss, die Knochen unverdaut ausscheidet oder sogenannten „Knochenkot“ absondert, sollte an erster Stelle nach der Ursache gesucht und vorerst keine Knochen gefüttert werden. Um trotzdem den Calciumbedarf ihres Hundes zu decken, können Hundehalter jedoch auf Knochenmehl zurückgreifen. Das wird meist aus Rinder- oder Schweineknochen hergestellt, es gibt aber auch Produkte auf Geflügel-, Kaninchen- oder Ziegenbasis. Verschiedene Fleischer und Online-Shops bieten auch frische gemahlene Knochen unterschiedlicher Tierarten an. Bei Erkrankungen wie  einer Bauchspeicheldrüsenentzündung, Blasensteinen oder Niereninsuffizienz sollte in Absprache mit dem behandelnden Tiermediziner eine entsprechende Mineralstoffmischung ergänzt werden.

Nach dieser spannenden Reise durch die Welt der Nährstoffe, klären wir jetzt noch eine abschließende Frage:

Barf, Kochen oder Trockenfutter: Wie kann die Calciumversorgung meines Hundes überprüft werden?

Calcium liegt im Blut in freier Form (ca. 50 Prozent) und an Proteine gebunden (ca. 50 Prozent) vor. Bei Blutuntersuchungen zur Bestimmung des Calciumspiegels kann aber nur das in freier Form im Blut vorhandene Calcium gemessen werden. Deshalb ist eine Blutuntersuchung nicht unbedingt das Mittel der Wahl. Denn es kann trotz normaler Werte sein, dass der Organismus den Mangel über Calcium aus den Knochen ausgleicht und hier ein Mangel vorliegt. Blutbilder sind deshalb immer nur eine Momentaufnahme, die bei Verdacht auf eine Krankheit zur weiteren Diagnostik sinnvoll sind. Tiefer geht eine Rationsüberprüfung durch einen spezialisierten Tierarzt oder Ernährungsberater: Er kann helfen, die Barf-Ration und den Barf-Plan, gekochte Mahlzeiten sowie industrielles Futter auf ausreichende Versorgung zu überprüfen.

Für Fragen stehe ich euch selbstverständlich zur Verfügung. Bleibt gesund! Eure Caroline

Quellenangaben/Links
  • Die Natur weiß den Weg: Ausgabe 2 / Juli 2013 von Per Naturam www.pernaturam.de. Klaus Rainer Töllner (Biologe), Manfred Heßel (Dipl. Ökologe)
  • Veröffentlichungen von Hazewinkel (et al.) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Hazewinkel
  • Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie für die Veterinärmedizin. Hans-Hasso Frey, Felix R. Althaus, Wolfgang Löscher
  • Lehrbuch für Tierheilpraktiker. Sylvia Dauborn
  • Gastroenterologie bei Hund und Katze: Klinik - Diagnostik - Therapie. Jan S. Suchodolski
  • Lehrbuch der allgemeinen Chirurgie für Tiermediziner. Olof Dietz
  • Ernährung des Hundes: Grundlagen - Fütterung - Diätetik. Helmut Meyer, Jürgen Zentek
  • Rationsüberprüfung: http://www.gesundeshundeleben.de/leistungen/kompetenzfelder/