Barf im Urlaub: Alternativen für die Hundeernährung auf Reisen.

Was gibt es schöneres, als gemeinsam mit dem Vierbeiner in die Ferne zu schweifen? Neben dem geeigneten Reiseziel und der passenden Unterkunft stellt sich häufig auch die Frage nach einer praktikablen Fütterung im Urlaub. Optimal ist es, wenn der Hund während einer Reise die gewohnte Nahrung bekommt – doch die Fütterung soll für Herrchen und Frauchen nicht in Stress ausarten, denn Urlaub bleibt schließlich Urlaub. Auch für den Menschen.

Ob man mit dem Wohnmobil verreist, Urlaub in einem Ferienhaus macht oder einen mehrwöchigen Wanderurlaub plant – für die Fütterung „unterwegs“ gibt es einige praktische Lösungen, die ich euch hier vorstellen möchte. Natürlich hängt die optimale Fütterung auch von der Größe des Hundes ab: Wer mit einem kleinen Hund Urlaub in einem Ferienhaus macht und ein Tiefkühlfach vor Ort hat, kann das gewohnte Fleisch für zwei Wochen mitnehmen, oder im Supermarkt vor Ort das Nötigste kaufen. Etwas schwieriger wird es, wenn man mit vier Schäferhunden einen Wanderurlaub mit Zelt antritt. Doch nichts ist unmöglich.

Barf im Urlaub: Flexibilität ist alles


Fleisch kann tiefgekühlt mit in den Urlaub genommen werden und im Gefrierfach bzw. -Schrank vor Ort oder in einer elektrischen Kühlbox gelagert werden. Alternativ kann – je nach Größe des Hundes – am Urlaubsort eingekauft werden. Im Supermarkt finden sich Huhn, Fisch, Eier, Leber, Hühnerherzen, Hühnerklein, Hähnchenflügel und ähnliches. Außerdem gefrorenes oder frisches Gemüse, das mit einem Pürierstab schnell zerkleinert werden kann. Praktisch sind hier z.B. Gurke oder ein tiefgekühlter Beerenmix. Wer nicht im Supermarkt einkaufen möchte, kann bei einem Fleischer oder Fischhändler vor Ort nach Abschnitten fragen.

Wem das Pürieren von Obst und Gemüse im Urlaub nicht zusagt, kann die Ballaststoffzufuhr alternativ über Flohsamenschalen decken. Für einen 20 kg schweren Hund reicht ein Teelöffel - in reichlich Wasser (100 ml) eingeweicht -  pro Mahlzeit aus. Lachsöl beispielsweise lässt sich in Kapselform sehr gut mitnehmen (z.B. tetesept Omega3 1000). Auch ein Glas Kokosöl (z.B. von Dr Goerg) nimmt nicht viel Platz weg und versorgt den Hund mit ausreichend Energie im Urlaub (20 kg Hund: 1 EL). Als Alternative zu Knochen eignet sich für die Reise Knochenmehl (z.B. von „Grau“ für Welpen und Junghunde). Eine beispielhafte Urluabsration könnte so aussehen:

Beispielhafte Urlaubsration:
· Hühnerfleisch oder Fisch
· Frisches Gemüse oder Flohsamenschalen
· Hähnchenflügel oder Knochenmehl
· Eigelb, Kokosöl, Lachsöl(-kapseln)  

Auch kann im Urlaub als Tagesration öfter mal Pansen oder ganzer Fisch gefüttert werden. Denn für einen erwachsenen, gesunden Hund ist es nicht problematisch, wenn das Futter mal über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen nicht ganz so ausgewogen ist. Bei Welpen, Junghunden und kranken Hunden sollte aber unbedingt auf die Mineralstoff- und Vitaminversorgung geachtet werden.

Alternativen zu Barf: welches Nassfutter ist geeignet?

Eine Reinfleisch-Dose kann für den Urlaub als Ersatz für den Anteil von Muskelfleisch, Pansen und Innereien genommen werden. Ergänzt wird dann mit Lachsöl, Kokosöl, Flohsamenschalen oder frischem Gemüse aus dem Supermarkt vor Ort.

Dosenfutter im Urlaub: Woran erkenne ich ein „gutes“ Nassfutter?
Eines vorweg: Jedes Nassfutter muss nach deutschem Futtermittelrecht für eine bestimmte Zeit auf 125° Kerntemperatur erhitzt werden. Wirbt ein Hersteller also mit Formulierungen wie „Kaltabfüllung“ bedeutet dies lediglich, dass die Futterkomponenten kalt in die Dose abgefüllt und anschließend auf 125° erhitzt werden. Denn andernfalls hielte sich der Hersteller nicht an die gesetzlichen Vorgaben. Das gilt auch für Werbeaussagen wie  „schonend überbrüht“ oder „Niedrig-Temperatur-Garmethode“.  

Gutes Futter = keine Zusatzstoffe?
Nun ist es so, dass Mineralien ziemlich hitzebeständig sind, genauso wie die meisten Spurenelemente auch. Viele Vitamine dagegen sind es nicht. Auch Eiweiß verändert seine Struktur, wenn man es erhitzt. Da Zusätze manchmal mehr schaden als nützen, sollte man darauf achten, dass dem Produkt keine synthetischen Zusätze, Konservierungsstoffe, Mineralstoffe (z.B. Calciumcarbonat/Eierschale/Algenkalk), Seealgen oder Heilkräuter (z.B. Mariendistel, Weißdorn) zugesetzt sind. Zusatzstoffe (wie Geschmacksverstärker, Konservierungs- und Farbstoffe) müssen jedoch  nur deklariert werden, wenn der Hersteller sie selbst zusetzt. Kauft er bereits mit Zusatzstoffen versetztes Fleisch oder Fett ein, muss er dies auf dem Futtermittel nicht ausweisen.

Rohproteingehalt und Rohaschegehalt zeigen die Futterqualität an.
Der Rohprotein- und Rohaschegehalt ist ein guter Indikator dafür, welche Komponenten in einem Futter verarbeitet wurden. Denn leider ist die Begrifflichkeit „Fleisch“ im Futtermittelrecht nicht geregelt. „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ sind eine sogenannte Gruppenbezeichnung. Das bedeutet: steht auf der Dose „100 % Hühnerfleisch“, dürfen diese 100 Prozent ebenso aus Hühnerfedern, -schnäbeln, -därmen oder Keimdrüsen bestehen. Denn Fleisch und Nebenerzeugnisse sind per Definition ein und dasselbe.
Muskelfleisch hat nur einen sehr geringen Rohascheanteil von etwa 0,8-1 %. Federn, Schnäbel und Horn dagegen haben einen hohen Rohascheanteil von etwa 11 %. Getreide (Haferflocken, Reis) besteht zu etwa 1- 2,5 % aus Rohasche, Getreidenebenprodukte liegen hingegen bei Werten um die 5 %. Enthält eine Dose mehr Rohasche, so ist dies ein Hinweis darauf, dass entweder wesentlich mehr Getreide, Getreidenebenprodukte oder Futtermittel wie Hornmehl enthalten sind.
Der Rohproteinanteil sollte – je nach Sorte – zwischen 14 und 24 % betragen. Liegt er darunter, kann das ein Indikator dafür sein, dass bindegewebsreiche Schlachtabfälle oder Getreide verarbeitet wurden. Grieben hingegen haben einen sehr hohen Proteinanteil, sind aber für den Hund nicht geeignet.

Eine offen deklarierte Reinfleischdose kann für den Urlaub als praktikable Alternative genommen werden. Diese besteht ausschließlich aus der genannten Fleischsorte und muss daher bei dauerhafter Fütterung mit entsprechenden Zusätzen für die essenziellen Nährstoffe ergänzt werden, weil sie kein Alleinfutter darstellt. Beispiele für solche Reinfleischdosen sind die entsprechenden Produkte von Lunderland oder Futterfleisch24 (Kaninchen, Lamm usw.).

Alternative Trockenbarf: getrocknetes Fleisch und Gemüse.

Getrocknetes Fleisch und Gemüse sind insbesondere bei Wanderurlauben eine praktische Alternative. Denn sie werden nur noch mit Wasser aufgegossen und sind sehr ergiebig (100 Gramm ergeben aufgequollen ca. 400 Gramm). Getrocknete Mischungen werden z.B. von Paul und Paulina als „Almmüsli“ angeboten. Wer ein Dörrgerät zuhause hat, kann sich die Urlaubsration auch selbst vorbereiten. Wichtig ist auch hier eine ausreichende Versorgung mit Energie. Daher sollte die Ration ebenfalls mit Kokosöl oder getrocknetem Fett ergänzt werden.

Die Sache mit den Gemüseflocken.

Handelsübliche getrocknete Obst- und Gemüsemischungen sind rein als Ballaststoffzufuhr zu sehen. Denn Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe sind hier kaum noch vorhanden. Daneben enthalten einige Gemüsemischungen Erbsen, Lauch, rote Beete und Tomaten. Erbsen enthalten das Toxin Phasin, Lauch die Schwefelverbindungen N-Propyldisulfid und Allylpropylsulfid. Rote Beete enthält Oxalsäure. Tomaten enthalten Solanin, und sollten deshalb wie auch Erbsen, Lauch und rote Beete nicht regelmäßig verfüttert werden.

Zu guter Letzt:

Damit der Urlaub dem Vierbeiner nicht „auf den Magen schlägt“, ist es wichtig, bereits einige Tage vor Reiseantritt mit dem neuen Futter zu beginnen. Denn allein die Anreise, eine neue Umgebung und der veränderte Tagesablauf können dem Hund auf den Magen schlagen.
Für diesen Fall ist es gut, etwas Huminsäure im Gepäck zu haben (bei Durchfall, bspw. Sobamin). Für die Staubsauger unter den Hunden eine Dose Sauerkraut (bei aufgenommenen Fremdkörpern) und für die magensensiblen Hunde etwas Eibischwurzel oder Ulmenrinde (Aufregung, Magenreizung).

Ich wünsche euch eine schöne und entspannte Reise!
Eure Caroline